2021 „Love“


Der erste Body erreichte mich im Mai 2021. Wie Ihr schon im Video sehen konntet, war sein Zustand akzeptabel.

Ich lasse einfach die Bilder sprechen:


Das fünfstreifige Binding ist sehr interessant. Wie oben auf dem Bild zu sehen ist, wurde eine spezielle Fräsung integriert, um dieses Binding am Bodyrand zu integrieren. Zum Glück war es weitestgehend vollständig, so daß keine großen Reparaturen notwendig waren (was bei HATE fast zu einem Desaster führte).

Die Bindings in den Schallöchern ist einfarbig weiß und hat keine spezielle Fräsung nötig. Doch mit der Zeit ist das Holz geschrumpft, so dass sich das Binging leicht gelöst hatte. Zum Glück aber ließ sich dies mit Heißluft und Aceton korrigieren.

Was ganz klar zu sehen ist, sind die Wurmlöcher. Komplett über den Rücken verteilt und teilweise noch in der Zarge.
Doch die Decke zeigte eine schöne Maserung. Damit könnte man was machen.


Der Plan

Der Body ist alt. Sehr alt. Und das darf er sein.
Ziel ist es also, dieses antike Aussehen auch in das Endprokukt einfließen zu lassen.

Die Elektronik ist recht einfach, da schon die Löcher vorgegeben sind: 2x Vol, 2x Tone, 3-Fachschalter.
Damals gab es noch keine „genormten“ Pickupgrößen, daher sind die Fräsungen nur für die orginalen Höfner PUs gefräst, in die natürlich nichts anderes reinpasst: Humbucker sind zu groß, Single Coil zu schmal. Es muss was krasseres sein. Mehr Richtung Soap Bar.

Die Mechaniken sollen antik, aber auch edel aussehen. Ein gewisses Aging ist ist erlaubt. Aber nicht zu viel Gold.

Der Hals sollte einer Hollwbody entsprechen. Das Design soll nicht nach moderner E-Gitarre aussehen. Aber er braucht Stabilität und sollte einstellbar sein.
Beschluss: Mehrstreifiger eingeleimter Hals mit Stahlstab und Kohlefaserverstärkung, schwarzes Griffbrett (gebeizt, damit mit der Zeit das Aging kommt), 22 Bünde (wir sind nicht auf ner HM-Axt). Kopfplatte abgewinkelt.
Da es bei vielen Gitarren der damaligen Zeit gebräuchlich war, wird mit Nullbund gearbeitet.

Plastik soll vermieden werden. Lieber mit Messing arbeiten. Auch beim Sattel.

Nach diesen Vorgaben wurde dann gearbeitet.

Da vom Design her keiner der großen Hersteller „altertümliche“ PUs anbietet, habe ich das volle Risiko aufgenommen und habe beim größten chinesischen Onlinekaufhaus mich umgeschaut und tatsächlich Soap Bars in Heizungsoptik und goldenem Enterieur. Preislich auch angenehm. Also Risiko, es soll schließlich ein gewisser altertümlicher Twäng rauskommen.
Im gleichen Suchvorgang fanden sich dann auch Mechaniken, die aussehen, wie aus den 60ern.

Auf der Jagd nach den den Teilen haben ich dann auch noch die schöne Bridge auf dem linken Bild gefunden, aber das sollte ganz anders enden. Diese Bridge kam auf HATE zum Einsatz.

Der Halswinkel ist schon anspruchsvoll!


Der Holowbody hatte im Bereich des Halsübergangs einen Holzblock verbaut. In der ursprünglichen Variante wurde der Hals an dieser Stelle eingeschraubt. Da ich aber selber bei einer Hollowbody keine geschraubten Hälse mag, habe ich mich entschlossen den Halt einzuleimen.

Für den mehrstreifigen Hals habe ich zwei Streifen Ahorn, zwei schmale Streifen Mahagoni und einen Streifen „Treppe“ verwendet.
Ja… Treppe. Das Holz stammt von einer ca. 100 Jahre alten Treppe eines alten Bauernhauses bei und in der Nähe in Deutschland. Die Zargen dieser Treppe sind leider nicht aus Mahagoni, aber dafür aus Eiche. Verdammt schwer, aber gleichzeitg verzieht es sich nicht mehr. Die Treppen selber sind aus heimischer Kiefer. Auch 100 Jahre alt und durch die stände Belastung sehr formstabil. Bei der „Tomek“ wurde letzteres als Decke verwendet.

Da der mittlere Holzstreifen des Halses so stabil ist, habe ich auf die geplanten Kohlefaserstäbe verzichtet. So wurde nur ein bidirektionaler Stahlstab integriert.

Zwei kleine Besonderheiten hat der Hals noch:

Um ihn „antiker“ zu halten, wurde das recht helle Griffbrett aus Kirsche später schwarz gebeizt. Wenn sich das Holz „abspielt“ wird es unter der Beize etwas heller hervorkommen.
Das weitere sind die Mensur und die verwendeten Dots:

Als Mensur habe ich 640mm gewählt mit 23 Jumbo Frets (ja, 23, denn einer ist ja der Nullbund!). Das ist genau zwischen den beiden bekannten Varianten von 630mm und 650mm, bzw. den amerikanischen Pendants. PRS verwendet genau eine solche Zwischenlösung. Einfacher zu spielen für kleine Hände, aber die tiefen Saiten haben genug Platz zu schwingen.

Also brauchte es noch besondere Dots. Diese wurden aus Messingrohr, weißem Glitter und Epoxieddharz hergestellt:

Doch auch hier gibt es eine Ausnahme: Der Dot im 9. Bund ist gefüllt mit klarem Epoxy und einem eingelegten Straßstein.



Fehlt nur noch der Sattel. Ich fand Plastik und Knochen optisch wenig ansprechend, da der Sattel in diesem Fall ja nur die vertikale Saitenführung ist. Die Höhe wird durch den Nullbund deffiniert.

Also ran an die Feilen und den Messingsattel kreiren:


Bis hier ist soweit alles nach Plan gelaufen.

Doch meistens kommt es anders, als man denkt:

Im Team der Wormholer besteht eine rege Kommunikation, um halt Erfahrungen zu den verschiedenen Arbeiten und so lernte ich Quentin Sander kennen, einen begnadeten Gitarrenbauer aus dem hohen Norden, der gerade eine neue Leidenschaft gefunden hatte: Die Bearbeitung von Speckstein.

Er hat auch sehr gute Kenntnisse in der Metallbearbeitung und bot mir an, für meine „Love“ eine Brücke aus Speckstein zu kreieren inkl. einem einzigartigem Saitenhalter.

Die Bridge ist aufliegend montiert, wie es bei Hollowbodies oft der Fall ist. entsprechend läßt sich die Okavreinheit sehr gut einrichten.

So hat „Love“ einen ganz besonderen Twäng bekommen.


Das Finish

Der Korpus stammt aus den 60er Jahren, Teile des Halses sind über 100 Jahre alt und insgesamt ist das Design „retro“.

Es konnte also nicht sein, daß diese Gitarre eine Hochglanzlakierung bekommt. Aber es sollte schon was knalliges sein.

Also wurde die Korpusdecke Mit CLOU Wasserbeize rot gebeizt, Rückseite und Zargen schwarz. Das Griffbrett wurde genau so mit schwarz gebeizt, um nach einer Weile eine gewisse Abnutzung zu ermöglichen und den Retro Look zu verstärken.

Der Rest des Halses blieb naturbelassen.

Da also Lackieren keine Option war, gegen eine reine Öl und Wachsbehandlung aber rote Beize sprach, wurde eine Oberflächenbehandlung mit Tru-Oil beschlossen. Was auf Gewehrkolben funktioniert, klappt auch auf Gitarrenbodies.

Um zu vermeiden, daß es durch das Tru-Oil zu Farbveränderungen kommt, wurden die gebeizten Flächen zunächst mit Birchwood Casey Sealer & Filler behandelt und danach erst mit Tru-Oil versiegelt. Das führte auf der Rückseite dazu, daß die schwarze Fläche gleichmäßig glatt wurde, wobei die charakteristischen Wurmlöcher erhalten blieben!

Die Decke des Korpus behielt seine Maserung durch das transparente Rot. Diese wurde auch dann mit dem Sealer behandelt und danach mit 8 dünnen Schichten Tru-Oil versiegelt und poliert.


Ergebnis

„Love“ iste eine besondere Gitarre. Auf den ersten Blick denkt man, es handele sich um eine geläufige Semihollowbody, aber auf den genaueren Blick erkennt man die Besonderheiten:

1. Das besondere Finish – Durch das TruOil Finish ergibt sich keine Hochglanzlackierung, sondern eine rustikale, alt aussehende Oberfläche. Die Wurmlöcher auf der Rückseite zeigen das Alter des Bodies, das orginale Binding bekommt durch die TruOil Behandlung eine gewisse Patina. Die Holzrahmen der Pickups unterstützen das rustikale Aussehen und die Pickupcover mit den goldenen Einlagen verweisen auf das 60er Jahre Design

2. Der spezielle Hals – Der 7sttreifige, sehr kräftige Hals mit seinem vollen D Shaping gibt dem Spieler das Gefühl „etwas in der Hand“ zu haben. Unterstützt durch zwei unter dem Griffbrett integrierte Carbonstäbe, ist dieser Hals sehr stabil und kann auch mit stärkeren Saiten ohne Probleme bestückt werden. Korrekturen lassen sich aber durch den integrierten 2-Wege-Stahlstab vornehmen. Das Ahorngriffbrett wurde schwarz gebeizt und wird mit der Zeit durch Abnutzung eine leichte Patina (Aging) erhalten. Die Jumbo Frets mit Nullbund bietet eine gute Kontrolle über die Saiten.
Ganz klar – „Love“ ist eine Gitarre für das Bodenständige, nicht für High-Speed-Saiten-Shredder.

3. Der Speckstein Steg – Der spezielle aus Speckstein von Quintus Sander hergestellte Steg gibt „Love“ den besonderen Touch.
Durch die Floating Bridge läßt sich sehr gut die allgemeine Oktavreinheit einstellen, wobei durch die Verschiebung des Stegs aufgrund stärkerer Saiten der Ton sich verändern läßt. Die Resonanz des Steines schiebt das klangliche Spektrum klar in den mittigen Bereich. In Kombination mit den beiden Single Coils ergibt sich so ein interessantes, percusives Klangspektrum.

4. Die Tonabnehmer – Leider habe ich bei den bekannten Marken keine Pickups gefunden, die zum Einen zum Bild der Gitarre passte, zum Anderen den gewünschten Vintage Sound lieferten.
Also habe ich das Risiko auf mich genommen, und zwei chinesische No-Name PUs genommen.